Aufschieberitis überwinden – so geht’s!

Aufschieberitis überwinden – so geht’s!

Da saß sie nun – vor einer weißen Präsentationsvorlage an ihrem Notebook. Gelangweilt spielte sie mit dem lila Kuli in ihrer Hand. Eigentlich wusste sie schon vor drei Wochen, dass dieses große Meeting stattfinden wird, in dem der Projektplan der gesamten Truppe präsentiert werden soll. Und eigentlich waren es ja auch nur drei Folien, die sie dazu beisteuern sollte. Sie wurde nun schon zum zweiten Mal von ihrem nervigen Kollegen gefragt, wie weit sie denn nun schon wäre damit, schließlich müsse er die Folien ja morgen gesammelt einreichen!… Morgen schon!… Naja, es ist ja eigentlich erst halb 10. Wenn die Folien bis 16 Uhr fertig wären, würde das ja locker noch reichen. Erstmal noch einen Kaffee und dann hätte sie bestimmt ein paar bessere Ideen für die Folien!

14 Uhr – und sie merkte, wie schlecht sie sich bei der Sache fühlte. Warum hatte sie nicht schon früher damit angefangen? Warum nur war es ihr wichtiger gewesen die Ordnerrücken mal wieder neu zu beschriften?

Unliebsame Aufgabe verschieben
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Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von „Aufschieberitis“ (auch Prokrastination genannt). Kommt dir das oder eine ähnliche Situation bekannt vor? Dann solltest du unbedingt weiter lesen! 🙂

Du erfährst, warum Aufschieberitis überwinden wichtig ist und was Prokrastination eigentlich genau ist. Du bekommst Tipps, wie du deine Aufschieberitis überwinden kannst und was passiert, wenn du sie nicht überwinden kannst.

 

Aufschieberitis überwinden – darum ist es so wichtig

Ganz einfach: weil es dich etwas glücklicher und stressfreier machen wird. Du wirst dich gut fühlen, wenn du dir bewusst machst, dass du eine wichtige Aufgabe pünktlich zur Deadline schon erledigt hast. Das ermöglicht stressfreies Arbeiten an der Aufgabe mit genügend Zeit um qualitativ gute Arbeit zu leisten.

Wenn du gute Arbeit leistest, wirst du dich selbst auch motivierter fühlen. Dann erhältst du Anerkennung von deinen Vorgesetzten und Kollegen. Anerkennung deiner Leistung ist wiederum ein wichtiger Faktor um dich besser und weniger gestresst zu fühlen.

 

Prokrastination: was ist das eigentlich genau?

Das Wort Prokrastination setzt sich aus den lateinischen Begriffen „pro“ (deutsch: vor, vorwärst) und „crastinum“ (deutsch: morgiger Tag) zusammen. Dies beinhaltet schon, dass etwas vorwärts auf den morgigen Tag gelegt wird.

Prokrastination bedeutet also, dass Aufgaben ohne objektiv dringlichen Grund verschoben werden oder auch unterbrochen werden. Das führt dazu, dass eine Aufgabe nicht fristgerecht oder im schlimmsten Fall garnicht erledigt wird.

Prokrastination steht dafür, dass eine unangenehme, aber wichtige Aufgabe ignoriert oder immer wieder zeitlich verschoben wird zugunsten einer Aufgabe, die mehr Spaß macht oder einfacher ist.

Prokrastination bzw. Aufschieberitis wird als pathologische Störung betrachtet, die jedoch gut mit Methoden aus dem Selbstmanagement in den Griff zu bekommen ist.

Aufschieberitis ist nicht Faulheit

Der Unterschied zwischen Aufschieberitis und Faulheit ist, dass Aufschieberitis eine aktive gewollte Handlung deinerseits darstellt. Im Gegensatz dazu deutet Faulheit auf Gleichgültigkeit, Untätigkeit und Handlungsunwilligkeit hin.

 

Aufschieberitis überwinden – so geht’s

Weg aus der Aufschieberitis
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Schritt 1: Mach dir deine Aufschieberitis bewusst

Ich hatte mal einen Kollegen, der Aufschieberitis in extremen Maße betrieb. In jahrelanger Zusammenarbeit erlebte ich kein einziges Mal, dass er eine Aufgabe vor der Deadline abliefern konnte. Er begründete dies immer damit, dass er unter Zeitdruck besser arbeiten würde und kreativere Ideen hätte.
Ich hatte ihm einmal folgende Frage dazu gestellt: „Woher weisst du, dass du unter Zeitdruck besser arbeiten kannst? Hast du einen Vergleich, wie es anders sein könnte?“ – Schweigen… „So hat mein Coach es mir gesagt!“ – „Aha!“

Ich möchte nicht behaupten, dass es keine Menschen gibt, die wirklich unter Zeitdruck besser arbeiten. Aber wurde hier tatsächlich schon einmal der andere Weg getestet? Klappt das wirklich besser oder handelt es sich hier vielleicht doch um eine Ausrede?

Eine Ausrede, die mir auch schon öfter begegnet ist: „Ich warte lieber noch damit, weil am Ende wird das dann ja vielleicht doch nicht benötigt. Das wäre ja dann unnötiger Aufwand.“
– Ganz ehrlich: wie oft kommt das vor und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall auftritt?
Wenn du mit dieser Aussage in dich gehst und überlegst, ob das tatsächlich zu mehr als 70% zutreffen könnte (aus Erfahrungswerten), dann kann man das durchgehen lassen. Es soll tatsächlich Unternehmen bzw. Vorgesetze geben, bei denen das „brauchen wir jetzt dich nicht mehr“ an der Tagesordnung liegt.
Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass du dich dann selbst bei einer Ausrede ertappt hast!

Wir neigen nicht nur dazu, Ausreden zu finden, warum wir eine bestimmte Aufgabe jetzt nicht erledigen können oder etwas anderes wichtiger ist. Wir neigen auch dazu, Ausreden zu finden, warum Aufschieberitis in Ordnung ist. Überlege daher kurz, in welchen Situationen du das letzte mal etwas aufgeschoben hast. Welche Ausreden hast du dafür gefunden?

Wenn du eine Aufgabe verschiebst, dann reflektiere kurz, ob es sich dabei um Aufschieberitis handeln könnte:

  • Ist die Aufgabe wirklich nicht dringlich?
  • Habe ich wirklich noch genug Vorlauf um die Aufgabe dann auch vollkommen stressfrei erledigen zu können?
  • Oder ist es eine unliebsame Aufgabe, für die ich eben eine Ausrede gefunden habe?

Ds ist der erste Schritt um deine Aufschieberitis zu überwinden!

Achtung: Bei manchen Menschen ist Aufschieberitis mehr als eine schlechte Angewohnheit. Es kann auf eine ernst zu nehmende Krankheit hinweisen (wie z.B. ADHS, Angststörungen und Depressionen). Falls bei dir eine sehr ausgeprägte Form der Prokrastination vorliegen sollte, wende dich bitte zur weiteren Abklärung an eine Fachfrau / einen Fachmann.

 

Schritt 2: Finde die Gründe warum du aufschiebst

Um deine Aufschieberitis zu überwinden, solltest du zunächst auch einmal verstehen, warum du Aufgaben aufschiebst.

Prokrastination kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Denke konzentriert nach, was genau die Gründe dafür sind, eine Aufgabe aufzuschieben.

Hier als Denkanstoß ein paar Fragen mit den häufigsten Ursachen:

  • Empfinde ich die Aufgabe als unangenehm? Macht sie mir keinen Spaß?
  • Ist es eine für mich langweilige Aufgabe?
  • Habe ich einfach nur ein schlechtes Zeitmanagement?
  • Kann ich Aufgaben nicht gut priorisieren?
  • Habe ich Angst bei dieser Aufgabe zu versagen?
  • Habe ich Angst davor, dass ich bei erfolgreicher Erledigung dieser Aufgabe mit weiteren Aufgaben dieser Art „überhäuft“ werden könnte?

Mache dir bewusst, welche Vorteile es für dich bringt, wenn du diese Aufgabe dann trotzdem sofort erledigst. Z.B. kannst du dich nach Erledigung auf eine Aufgabe konzentrieren, die dir mehr Spaß macht. Oder vielleicht handelt es sich um eine Aufgabe, aus der du für andere Tätigkeiten noch etwas lernen kannst…

 

Schritt 3: Setze dir eine Deadline

Aufschieberitis überwinden, bedeutet, sich mit dem eigenen Zeitmanagement auseinander zu setzen. In erster Linie geht es in diesem Fall darum, dir zu der entsprechenden Aufgabe eine zeitliche Frist bis zur Erledigung zu setzen (Deadline). Dabei muss deine Deadline natürlich vor der tatsächlichen Deadline liegen und sollte von dir auch nicht verändert werden. Eine eigene Deadline wird dir dabei helfen, dein Ziel zur Erledigung vor Augen zu haben und fokussiert an der Aufgabe arbeiten zu können.

Beachte dabei, dir die Deadline nicht zu spät zu setzen, so dass du im Falle von unerwarteten Ereignissen oder Aufgaben doch wieder unter Zeitdruck geraten könntest.

Ebenso muss deine Deadline auf jeden Fall realisierbar sein. Das heißt, du solltest unbedingt davon absehen, dir aus neu gewonnener Motivation heraus eine zu frühe Deadline zu setzen. Denn auch das, kann wiederum zu einem unentspannten Arbeiten an der Aufgabe führen.

 

Schritt 4: Erstelle eine To-Do-Liste mit Meilensteinen

Zusätzlich zu deiner persönlichen Deadline, ist es beim Aufschieberitis überwinden hilfreich, dir eine To-Do-Liste zur Aufgabe zu erstellen. Gehe dazu im Einzelnen durch, welche Schritte zur Erledigung notwendig sind und notiere deine Arbeitspakete in einer To-Do-Liste. Dabei kannst du pro Arbeitsschritt noch einmal reflektieren, wieviel Zeit dieser in Anspruch nehmen wird. Damit kannst du auch überprüfen, ob du dir deine Deadline aus dem vorherigen Schritt realisierbar gesetzt hast.

Bei größeren Aufgaben sollte Meilensteine enthalten sein. Das sind wichtige Punkte im Projektverlauf. Meistens handelt es sich dabei um Punkte, an denen etwas bestimmtes erreicht werden soll. Meilensteine beschreiben keine Zeitdauer, sondern einen fixen (meist abgeschlossenen) Punkt. Beispiele:

  • 01.08. erster Rohentwurf der Präsentation steht
  • 06.08. Weitere Änderungen wurden in Präsentation eingearbeitet
  • 15.08. Präsentation wurde vom Vorgesetzen geprüft und freigegeben
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Schritt 5: Arbeite deine To-Do-Liste fokussiert ab

Im nächsten Schritt geht es darum, deine To-Do’s abzuarbeiten. Bei einer unliebsamen Aufgabe, die leicht zu Aufschieberitis führen kann, ist die Gefahr groß, sich wieder durch andere Aufgaben ablenken zu lassen. Setze dir am Besten zur Erledigung deiner Arbeitsschritte feste Termine im Kalender und fokussiere dich auf diese eine Aufgabe. Nebenher surfen oder sehen, welche E-Mails nun reingekommen sind, ist nicht zielführend und führt dich zurück zum Ausgangspunkt, den wir vermeiden möchten!

 

Schritt 6: Belohne dich!

Sobald du dein Ziel erreichst hast und deine Aufgabe erledigt hast, ist es Zeit für eine Belohnung. Die eigentliche Belohnung ist, dass du dich natürlich von Haus aus besser fühlen wirst und stolz sein kannst, deine unliebsame Aufgabe erledigt zu haben.

Wenn du dir selbst etwas gönnst, wird dein Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und du fühlst dich automatisch motivierter, auch die nächste unliebsame Aufgabe anzugehen, ohne sie aufzuschieben. Du tankst Energie für die nächsten Herausforderungen und du hast es dir wirklich verdient!

 

Das passiert, wenn du deine Aufschieberitis nicht überwindest

Warum Aufschieberitis dir nicht gut tut: Ganz einfach – weil du dich immer schlecht dabei fühlen wirst, wenn du Dinge unter Zeitdruck erledigen musst. Aufschieberitis verursacht automatisch negativen Stress. Es kann zu Schuldgefühlen führen und zu verpassten Chancen für deine persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Prokrastination kann auch schnell zu einem Dauerzustand werden, da man sich durch jede verschobene Aufgabe mehr und mehr demotiviert fühlen kann. Und wie wir schon gelernt haben: Stress kann auf Dauer krank machen!

 

Wie steht es um deine Aufschieberitis? Lässt du dich auch dazu verleiten? Schreib mir gerne eine Nachricht oder hinterlasse mir einen Kommentar!

 

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